Führt die Annahme genetischer, biologischer Ursachen einer Störung zu Diskriminierung?

alphaProf  „… Wird eine psychische Störung als biologisch determiniert aufgefasst, verringert sich die Emphatie der Therapeuten zu dem betroffenen Menschen. Werden als Ursachen der Störung jedoch mögliche Einflüssen aus der Kindheit und der Umwelt angenommen, war das Mitgefühl für die Menschen deutlich höher. … Matthew Lebowitz: „Biologische Erklärungen sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verringern sie die Schuld des Patienten an seiner Krankheit. Andererseits können sie entwürdigend sein, indem sie Menschen auf biologische Mechanismen reduzieren.“ …

RAUS bilanziert – Fachkonferenz „Alphabetisierung und Grundbildung im Strafvollzug“

Am Mittwoch, den 01. Juli 2015, richtete das Projekt RAUS  die Fachkonferenz „Alphabetisierung und Grundbildung im Strafvollzug“ aus. Unter den 50 Teilnehmenden waren überwiegend Vollzugslehrer, Bildungsplaner, Bildungsverantwortliche sowie ministeriale Vertreter aus Justiz- und Bildungsressorts.        Dokumentation der Fachtagung

Fazit: Die RAUS-Fachkonferenz zeigte auf, dass Alphabetisierung und Grundbildung erfreulicherweise gesellschaftspolitisch und bildungspolitisch an Stellenwert gewinnt. Auch im Strafvollzug wird es wieder verstärkt als vollzugsrelevantes Thema wahrgenommen. Nach über 40 Jahren der Straffälligenalphabetisierung besteht noch Handlungsbedarf für ein flächendeckendes und bedarfsgerechtes Grundbildungsangebot.
Strafvollzug ist verstärkt als bildungsrelevanter Ort zu verstehen, der systematisch verankert werden sollte, aber eben auch vor Ort von den Akteuren gelebt werden muss. Insbesondere die Grundbildung ist kein Thema, das als zentral eingerichtetes Angebot zum Erfolg führt: Entsprechende Angebote müssen mit Überzeugungskraft an den Mann/an die Frau gebracht werden.
Vor dem Hintergrund der Veränderungen der Vollzugsklientel, ist Grundbildung auch zukünftig eine zentrale Aufgabenstellung des Vollzugs. Gerade im Rahmen der angekündigten Nationalen Dekade sollte der Strafvollzug als Bildungsort einbezogen werden.

bildungsfern – ungebildet

„Bildungsfern“ ist grausamer als „ungebildet“  – Ein Begriff macht Karriere – zum Ärger des Schweizer Pädagogen Roland Reichenbach. In seiner Familie gab es kein Bücherregal. Heute ist er Professor an der Uni Zürich. süddeutsche

„Der Ausdruck „bildungsfern“, als verständnisvoller Euphemismus gedacht, ist in Wahrheit grausamer als „ungebildet“. Das Ungebildetsein lässt lebenslange Entwicklungsmöglichkeiten offen – und Diskussionen darüber, was eigentlich zum Kanon des Wissens gehört. Die „Bildungsferne“ aber verkennt den prozessualen Charakter, das Unabgeschlossensein jeder Bildung und errichtet stattdessen eine kaum überwindbare geografische Barriere…“