Zum Internationalen Tag des Buches am 23. April

www.mein-schlüssel-zur-welt.de  Carola K.

übersandt von Jürgen Genuneit in Das letzte Buch in Einfacher Sprache-1

Das letzte Buch 

Das Kind kam heute spät aus der Schule heim. Wir waren im Museum, sagte es. Wir haben das letzte Buch gesehen. Unwillkürlich blickte ich auf die lange Wand unseres Wohnzimmers, die früher einmal mehrere Regale voller Bücher verdeckt haben, die aber jetzt leer ist und weiß getüncht, damit das neue plastische Fernsehen darauf erscheinen kann. Ja und, sagte ich erschrocken, was war das für ein Buch? Eben ein Buch, sagte das Kind. Es hat einen Deckel und einen Rücken und Seiten, die man umblättern kann. Und was war darin gedruckt, fragte ich. Das kann ich doch nicht wissen, sagte das Kind. Wir durften es nicht anfassen. Es liegt unter Glas. Schade, sagte ich. Aber das Kind war schon weggesprungen, um an den Knöpfen des Fernsehapparates zu drehen. Die große, weiße Wand fing sich an zu beleben, sie zeigte eine Herde von Elefanten, die im Dschungel eine Furt durchquerten. Der trübe Fluss schmatzte, die eingeborenen Treiber schrien. Das Kind hockte auf dem Teppich und sah die riesigen Tiere mit Entzücken an. Was kann da schon drinstehen, murmelte es, in so einem Buch.

Quelle: Kaschnitz, Marie Luise: GesammelteWerke. Bd.3 (Neue Prosa). Frankfurt am Main: Insel 1982, S.11

Niedersachsen Landesbündnis für Alphabetisierung und Grundbildung

www.mwk.niedersachsen.de Pünktlich zum Welttag des Buches geht das Landesbündnis für Alphabetisierung und Grundbildung an den Start
Die 20 Gründungsorganisationen, darunter Unternehmerverbände, die Bundesagentur für Arbeit, Gewerkschaften, Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtungen wollen sich für mehr Grundbildung und Alphabetisierung in Niedersachsen engagieren.

www.rtl.de

Pädagogin fordert Unterstützungsangebote – auch an weiterführenden Schulen

www.deutschlandfunk.de/ Cordula Löffler im Gespräch mit Michael Köhler

„Weite Teile der deutschen Bevölkerung können nicht zufriedenstellend lesen und schreiben. Einfache Texte sind für sie schon eine große Hürde. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Menschen, die Deutsch als Muttersprache gelernt haben, sagte die Pädagogin Cordula Löffler im Dlf.“

siehe auch  www.jungewelt.de
„Wenn man ein Problem nicht lösen kann, dann benennt man es um. So auch beim Analphabetismus in der BRD. Unvorstellbar: Mehr als sechs Millionen Deutsche – Menschen mit Erstsprache deutsch, zumindest aber mit guter Sprechfähigkeit – können nicht lesen und schreiben. »Funktionaler Analphabetismus« hieß das mal. Nun, so die Germanistin Cordula Löffler, hat man einen weniger unfreundlichen Namen gefunden: »Gering literarisierte Erwachsene«.“